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CH/TG: Tagung zur Beihilfe zum Suizid findet keine einfachen Antworten

Dez 6, 2017 | Aktuelles, Bildung und Beruf

Eine Tagung zur Beihilfe zum Suizid vernahm kontroverse Positionen, fand aber keine einfachen Antworten. Knapp 100 Pfarrpersonen sowie Diakoninnen und Diakone der Evangelischen Landeskirche Thurgau trafen sich dazu laut Meldung in der Kartause Ittingen.

Wilfried Bührer, Kirchenratspräsident der Thurgauer Kirche, sehe die Kirche zu einer profilierten und möglichst breit abgestützten Haltung aufgefordert. Am Schluss der Tagung habe er sich jedoch in seiner Hoffnung, das Profil der Kirche schärfen zu können, ernüchtert gezeigt.

Anlass zu dieser Ratlosigkeit hätten die unterschiedlichen Referate des Tages gegeben. So beobachte Karin Nestor von der Nationalen Ethikkommission Humanmedizin einen Wunsch nach Kontrolle auch in der letzten Phase des Lebens, wobei die Unkontrollierbarkeit gerade „der Kern des Sterbens“ sei. Problematisch sei der aus dem Gefühl eines „sterben wollen sollen“ entstehende Alterssuizid.

Alters- und Pflegeinstitutionen müssten deklarieren, ob bei ihnen ein assistierter Suizid möglich ist, informierte Stefan Wohnlich von curaviva Thurgau. In rund 20 Prozent der Thurgauer Pflegeheime sei dies der Fall. Begleitende Seelsorgende sollten den Wunsch nach einem Freitod abzuschwächen versuchen. Ist dies nicht möglich, müsse die suizidwillige Person eine „Verzichtserklärung auf Seelsorge“ unterschreiben, sieht ein im Alters- und Pflegezentrum Amriswil erarbeitetes Konzept vor.

Selbstmord sei aus theologischer, nicht aus moralischer Sicht zu hinterfragen, so der Berner Ethiker Frank Mathwig. Die Ablehnung des Suizids lasse sich alleine aus der Geschöpflichkeit des Menschen ableiten. Kirche dürfe jedoch keine Kriterien formulieren. Es gebe kein Patentrezept: „Auf die Grenzfälle des Lebens gibt es kein eindeutiges und zweifelsfreies Antworten und Handeln“.

Die nächste Zusammenkunft von Kirchenrat und Dekanatsleitungen im Juni 2018 wird sich erneut mit dem Thema befassen. Eine Arbeitsgruppe soll laut Mitteilung die Möglichkeit ausloten, mit einer weiteren Tagung „mehr Raum für Gespräche und Konsenssuche“ zu etablieren.

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