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Orientierungshilfe der Diakonie Schweiz zu Zeitvorsorgesystemen

Feb 8, 2021 | Aktuelles, Aktuelles - Featured, Diakonie Schweiz, Freiwilliges Engagement

Vernetzung ja, aber von einer Zusammenarbeit wird abgeraten: Die Diakonie Schweiz positioniert sich zum System der Zeitvorsorge im Vergleich zu kirchlicher Freiwilligenarbeit. Das Prinzip der Freiwilligkeit stösst sich mit dem des Verdienstes.

In den letzten Jahren sind neue Zeitvorsorgemodelle im Bereich der Nachbarschaftshilfe entstanden. Für die Betreuung anderer Personen werden Zeiteinheiten gutgeschrieben, die später bei eigenem Bedarf gegen entsprechende Hilfeleistungen neuer Zeitvorsorgender eingetauscht werden können.
Auch die Kirchgemeinden engagieren sich in der Nachbarschaftshilfe. Aufgrund zahlreicher Anfragen hat die Diakonie Schweiz deshalb nun eine Orientierungshilfe zum Thema der Zeitvorsorgesysteme veröffentlicht.

Die Diakonie Schweiz würdigt ausdrücklich das Engagement dieser Systeme, Potenzial an freiwilligem Engagement für die wichtige Aufgabe der Betreuung älterer und pflegebedürftiger Menschen zu aktivieren.

Die meisten gegenwärtigen Systeme können jedoch nicht garantieren, dass geäufnete Zeitguthaben zu einem späteren Zeitpunkt für eigene Bedürfnisse eingelöst werden können. Sodann legen erste Forschungsresultate zu den Zeitvorsorgesystemen nahe, dass die angebotenen Leistungen nicht vollends den gesuchten Leistungen entsprechen, womit ein Ausgleichsmechanismus notwendig würde.

Weiter besteht die Gefahr, dass die Systeme problematische gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken, da es nur einem gewissen Teil der interessierten Bevölkerung möglich ist, passgenaue Betreuungsleistungen zu erbringen. Schliesslich erscheint problematisch, dass die Gruppe der pflegenden Angehörigen von der Möglichkeit ausgeschlossen ist, ein Zeitguthaben aufzubauen. Genau diese Gruppe trägt jedoch einen grossen Teil der Betreuungslasten.

Freiwilligenarbeit ist unentgeltlich und beruht auf keiner Gegenleistung. Darin besteht ein grundsätzlicher Unterschied zu den Zeitvorsorgesystemen. Die in den Kirchgemeinden praktizierte Freiwilligenarbeit funktioniert so, dass alle das je ihnen Mögliche zur Gemeinschaft beitragen, dass dieser Beitrag jedoch gerade nicht durch das Gebot der Gegenseitigkeit geprägt ist.

Kirchgemeinden können sich von Zeitvorsorgesystemen in den Aspekten der Gegenseitigkeit und Wertschätzung anregen lassen. Eine Vernetzung, um voneinander die Tätigkeiten und Arbeitsschwerpunkte zu kennen, erscheint sinnvoll. Für die Diakonie Schweiz gilt jedoch das Nein zu einer Gegenseitigkeit aufgrund von Leistung und Verdienst.

Die Diakonie Schweiz empfiehlt den Kirchgemeinden daher, keine über die Vernetzung hinausgehende Zusammenarbeit mit Zeitvorsorge-Institutionen zu pflegen.Wenn sich Kirchgemeinden im Bereich der Nachbarschaftshilfe stärker engagieren wollen, so wird ihnen nahegelegt, sich am Konzept der Sorgenden Gemeinschaften zu orientieren.

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