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Zivildienst in Sozialdiakonie und Kirche

Als Organisationen mit gemeinnützigem Auftrag dürfen Kirchgemeinden im diakonischen Bereich Zivildienstler einstellen. Die Jugendkirche Streetchurch im Kanton Zürich hat seit über zehn Jahren Erfahrung damit.

Einsatzgebiete im Bereich Jugendsozialarbeit sind rar gesät auf der elektronischen Plattform https://www.ezivi.admin.ch/. Deshalb sieht Jens van Harten, der bei der Zürcher Landeskirche neu die Koordinationsstelle für Zivildiensteinsätze innehat, für Kirchgemeinden grosse Chancen, dass sich junge Männer, die keinen Militärdienst leisten möchten, bei ihnen bewerben. «Schulen und Spitäler bieten zwar Einsätze im Umgang mit Kindern an, aber explizite Einsätze im Bereich Jugendarbeit gibt es wenige, sagt van Harten. «Da haben die Kirchen die Nase vorne.»

Zivildienst

Arbeit mit Jugendlichen, die sinnvoll ist, hat sich zum Beispiel Luca Mariani gewünscht. Der 27jährige Grafiker leistet zurzeit bei der Streetchurch Zivildienst im Bereich Arbeit und Bildung: Er begleitet Jugendliche beispielsweise zu Putzeinsätzen, die bei der Streetchurch als Dienstleistung gebucht werden können. Dabei putzt er, coacht die anderen Putzenden, stellt die Qualität der Arbeit gegenüber dem Auftraggeber sicher und schreibt Berichte, welche die Basis für Gespräche zu den Entwicklungsmöglichkeiten der Jugendlichen bilden.

«Ich bin begeistert vom Angebot der streetchurch und sehr dankbar, meinen Dienst am Staat, in einer solch tollen Organisation absolvieren zu dürfen», sagt Luca Mariani. Sein Einsatz bringe auch ihm viel: «Die Arbeit gibt mir Einblick in eine mir bis anhin fremde Welt Mein Verständnis für Jugendliche, bei denen nicht immer alles rund läuft, wächst von Tag zu Tag.»

Auch Streetchurch-Geschäftsleiter Philipp Nussbaumer freut sich über die rund fünf Zivis, die jährlich in seiner Kirchgemeinde arbeiten. «Wir profitieren mehrfach: Da ist einmal das Know-how, das sie einbringen, wie zum Beispiel eine handwerkliche Grundausbildung. Zweitens bringen engagierte Zivildienstler eine Aussensicht ein und fördern dadurch unsere Entwicklung. Dann sind sie vom Alter her nahe an unserer Zielgruppe. Und viertens entlasten sie uns, sodass wir mehr Zeit für individuelle Gespräche mit der Zielgruppe haben.»

Zivildienst: Bedingung für Einsätze

Streetchurch ist ein Musterbeispiel für Zivildiensteinsätze, weil sie die jungen Männer problemlos über zwei Monate bis ein halbes Jahr beschäftigen kann. «Wir haben Spielraum», sagt Philipp Nussbaumer. «Wir können die Zivis ihren Stärken gemäss einsetzen.» Für Kirchgemeinden mit weniger Jugendangeboten ist dies schwieriger. Deshalb empfiehlt Jens van Harten, dass sich mehrere Kirchgemeinden kurzschliessen, um gemeinsam einen Zivildienstleistenden zu beschäftigen. Dies gilt auch für Altersarbeit, einem weiteren möglichen Gebiet für Zivildiensteinsätze.

Bedingung für eine Bewilligung der Vollzugsstelle für Zivildienste ist nicht nur Gemeinnützigkeit, sondern auch, dass die Zivis nicht vertraut sind mit den Leuten der Einsatzgemeinde und dass sie nicht im kultischen Bereich eingesetzt werden. Ausserdem verlangt die Behörde, dass ein Pflichtenheft definiert wird und dieses mit dem Stellenbeschrieb übereinstimmt. Der Jugendbeauftragte Jens van Harten von der Reformierten Kirche Kanton Zürich unterstützt die Kirchgemeinden dabei.

Die Kosten für einen Zivildienstler in der Kirchgemeinde belaufen sich gemäss Jens van Harten auf 1400 Franken pro Monat. Dies beinhaltet fünf Franken pro Tag für den Zivi sowie eine Abgabe an den Bund, die gewährleisten soll, dass es keine Wettbewerbsverzerrung gibt auf dem Arbeitsmarkt. Ausserdem müssen die Kirchgemeinden die dienstleistenden Männer betreuen.

«Das Interesse von Zivis, Sozialarbeit in Kirchgemeinden zu leisten, ist vorhanden. Interessanterweise sind es eher kirchgendistanzierte Männer, die sich melden», sagt Jens van Harten. Das stört weder ihn noch Philipp Nussbaumer von der Streetchurch. Worauf sie hingegen bei der Auswahl Wert legen ist Offenheit, Sozialkompetenz, Kreativität und Flexibilität.

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