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Vorläufig aufgenommene Syrer als Flüchtlinge anerkennen, fordert Caritas

Mrz 11, 2021 | Aktuelles, Katastrophen und Krieg

Nach zehn Jahren Krieg ist die humanitäre Hilfe für Syrien noch immer überlebenswichtig, so Caritas Schweiz. Man appelliere, die 8500 vorläufig aufgenommenen Syrerinnen und Syrer als Flüchtlinge anzuerkennen.

Der Syrienkrieg sei eine der grössten humanitären Katastrophen seit dem Zweiten Weltkrieg, so Caritas Schweiz in einer Medienmitteilung. Von den rund 21 Millionen Syrerinnen und Syrern seien mehr als 6,5 Millionen über die Landesgrenzen geflohen. Der Libanon beherberge mit 1,5 Millionen Flüchtlingen anteilsmässig die meisten Flüchtlinge. Nach Europa sei etwa eine Million syrische Flüchtlinge gelangt.

In Syrien sei mehr als die Hälfte der syrischen Erwerbsbevölkerung arbeitslos und gegen 80 Prozent der Bevölkerung lebe in Armut. Das staatliche Bildungssystem funktioniere kaum und lasse Kinder und Jugendliche ohne Bildungsperspektive. So sei die humanitäre Situation immer noch dramatisch; für elf Millionen Syrerinnen und Syrer sei humanitäre Hilfe tagtäglich überlebenswichtig. Die Rückkehr nach Syrien sei aufgrund der omnipräsenten Zerstörung, der desolaten Grundversorgung und der Gefahr von Vertreibung und Gewalt weiterhin unmöglich. Die syrischen Flüchtlinge, aber auch die einheimische Bevölkerung der strukturschwachen Nachbarländer wie Jordanien oder der Libanon litten stark unter den Folgen der Syrienkrise und befürchteten einen Kollaps der sozialen Unterstützungssysteme, so die Mitteilung.

Caritas Schweiz habe seit Ausbruch des Krieges Hilfsprogramme von über 76 Millionen Franken in Syrien und in den Nachbarstaaten Libanon und Jordanien umgesetzt. Die internationale Gemeinschaft müsse sich verstärkt für dauerhaften Frieden und den Wiederaufbau einsetzen. Bis dahin brauche es eine funktionierende humanitäre Hilfe für die Menschen in der Krisenregion. Nothilfe allein greife aber zu kurz, denn die vom Krieg gebeutelte Bevölkerung brauche Perspektiven in Form von mittel- und langfristiger Entwicklungshilfe. Insbesondere Investitionen in die Bildung seien eine grosse Notwendigkeit. In Syrien gebe es Kinder, welche aufgrund des Krieges die gesamte Schulzeit verpasst hätten. Caritas fordert vom Bundesrat laut Mitteilung zusätzliche Mittel im Bereich der Humanitären Hilfe und der langfristigen Entwicklungshilfe.

Insgesamt lebten nach zehn Jahren Krieg in Syrien rund 20 000 Menschen aus Syrien in der Schweiz. Beinahe die Hälfte von ihnen – nämlich 8500 Menschen – habe keinen Flüchtlingsstatus erhalten, sondern sie seien in der Schweiz lediglich vorläufig aufgenommen. Dies, obwohl schon früh absehbar gewesen sei, dass die Geflüchteten für lange Zeit oder nie wieder in ihre Heimat zurückkehren könnten. Eine vorläufige Aufnahme bedeute für sie schlechtere Aussichten auf eine Wohnung und eine geeignete Arbeit und erschwere ihre Integration. Um ihre Voraussetzungen zu verbessern, fordert Caritas vom Bundesrat, dass die 8500 Personen möglichst rasch als Flüchtlinge anerkannt werden. Wo engste Familienmitglieder auseinandergerissen worden seien, sollten Familienzusammenführungen durch humanitäre Visa ermöglicht werden. Zudem solle sich die Schweiz stärker für sichere Fluchtwege einsetzen und die Aufnahme von Resettlement-Flüchtlingen erhöhen.

 

 

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