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Unbezahlte Arbeit: Die meisten Hausarbeiten bleiben Frauensache

408 Milliarden Franken. So viel waren 9,2 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit in der Schweiz 2016 wert. Wesentlich mehr als die 7,9 Milliarden Stunden bezahlter Arbeit. Wie sich die Zahlen zwischen den Geschlechtern aufteilen, zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik BFS.

Frauen wenden demnach mit 28,1 Stunden am meisten Zeit für Haus- und Familienarbeit auf, für bezahlte Arbeit sind es 16,6 Stunden und für Freiwilligenarbeit 2,0 Stunden. Männer investieren mit 27,3 Stunden am meisten Zeit in bezahlte Arbeit, für Haus- und Familienarbeit setzen sie 17,9 Stunden ein und für Freiwilligenarbeit 1,6 Stunden. Verglichen mit 2010 leisten Frauen 1,0 Stunden pro Woche mehr bezahlte Arbeit, Männer 1,7 Stunden mehr Haus- und Familienarbeit.

Unbezahlte Arbeit

Zunahme der unbezahlten Arbeit bei den Männern

Bei Frauen ist der Zeitaufwand für bezahlte Arbeit im Jahr 2016 mit 16,6 Stunden pro Woche höher als 2010 mit 15,6 Std. Hingegen zeigen sich laut BFS keine deutlichen Unterschiede in diesem Zeitraum für die Haus- und Familienarbeit. Die Werte liegen bei 27,9 und 28,1 Stunden pro Woche. Bei Männern ist ein Anstieg des Zeitaufwands für Haus- und Familienarbeit von 16,2 Stunden im Jahr 2010 auf 17,9 Stunden in 2016 festzustellen, während der für bezahlte Arbeit von 28,1 auf 27,3 Stunden pro Woche zurückging.

Die meisten Hausarbeiten bleiben Frauensache

Was die Hausarbeit betrifft, so wird für die Mahlzeitenzubereitung nach wie vor am meisten Zeit aufgewendet (Frauen 7,1 Std., Männer 3,8 Std. pro Woche). Anschliessend folgt der Zeitaufwand für Putzen (Frauen 4,5 Std., Männer 1,9 Std. pro Woche). Für Einkaufen brauchen Frauen 2,5 Stunden, Männer 1,9 Stunden pro Woche. Waschen und Bügeln ist immer noch fest in Frauenhand: sie machen das während 2,3 Stunden pro Woche, Männer nur während 0,6 Stunden. Für Pflanzen, Garten und Haustiere setzen Frauen 2,3 Stunden pro Woche ein und Männer 1,8 Stunden. Bei den administrativen und handwerklichen Arbeiten liegen die Männer vor den Frauen. Sie wenden dafür durchschnittlich je 1,5 Stunden pro Woche auf, Frauen 1,2 respektive 0,9 Stunden.

Alleinlebende Mütter mit jüngstem Kind unter 15 Jahren wenden 68,1 Stunden pro Woche für die gesamte bezahlte und unbezahlte Arbeit auf.

Hohe Arbeitsbelastung für Eltern mit Kind im Haushalt

Zusammengenommen machen die bezahlte Erwerbsarbeit und die unbezahlte Haus-, Familien- und Freiwilligenarbeit für Mütter in Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 15 Jahren 69,6 Stunden pro Woche aus. Diese setzen sich zusammen aus 52,8 Stunden für die Haus- und Familienarbeit, 15,4 Stunden für die Erwerbsarbeit und 1,4 Stunden für die Freiwilligenarbeit. Väter in derselben Familiensituation haben eine Arbeitsbelastung von 68,8 Stunden pro Woche. Davon macht die Erwerbsarbeit 38,3 Stunden aus, die Haus- und Familienarbeit 29,2 Stunden und die Freiwilligenarbeit 1,3 Stunden. Für Hausarbeiten wenden Mütter mit Partner und jüngstem Kind unter 15 Jahren rund doppelt so viel Zeit auf wie Väter (31,3 Std. gegenüber 15,8 Std. pro Woche). Bei der Kinderbetreuung investieren sie rund die Hälfte mehr Zeit als die Väter (21,5 Std. gegenüber 13,8 Std. pro Woche).

Alleinlebende Mütter mit jüngstem Kind unter 15 Jahren wenden 68,1 Stunden pro Woche für die gesamte bezahlte und unbezahlte Arbeit auf: 46,8 Stunden pro Woche für die Haus- und Familienarbeit, 19,7 Stunden für die Erwerbsarbeit und 1,6 Stunden für Freiwilligenarbeit.

Unbezahlte Arbeit
Unbezahlte Arbeit

Unbezahlte Arbeit im Rentenalter bleibt bedeutend

Bei den 65- bis 74-Jährigen beträgt die zeitliche Gesamtbelastung für Frauen 31,5 Stunden pro Woche und für Männer 27,2 Stunden. Die Haus- und Familienarbeit macht dabei den grössten Teil aus: Frauen wenden dafür 25,6 Stunden pro Woche auf, Männer 18,2 Stunden. Der durchschnittliche Zeitaufwand für bezahlte Arbeit nimmt mit dem Pensionierungsalter stark ab. Diese Altersgruppe leistet hingegen den höchsten Zeitaufwand für Freiwilligenarbeit: Frauen 4,0 Stunden und Männer 3,3 Stunden pro Woche.

Gut vier von zehn Personen übernehmen Freiwilligenarbeit

Rund 43 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren führen mindestens eine unbezahlte Freiwilligenarbeit aus. 19,5 Prozent engagieren sich für Vereine oder Institutionen. Sie setzen dafür im Durchschnitt 12,8 Stunden pro Monat ein. Sowohl die Beteiligungsquoten als auch der investierte Zeitaufwand haben sich seit 2010 nur wenig verändert. 31,7 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren führen informelle Freiwilligenarbeiten aus wie Nachbarschaftshilfe, Kinderbetreuung, Dienstleistungen oder Pflege und Betreuung von Verwandten und Bekannten, die nicht im selben Haushalt leben. Sie wenden dafür 15,2 Stunden pro Monat auf. Männer engagieren sich häufiger im institutionalisierten, Frauen häufiger im informellen Freiwilligenbereich.

Fazit

Es bleibt festzuhalten: Der Stellenwert unbezahlter Arbeit ist immens. Trotzdem findet sie in Wirtschaft und Politik kaum Beachtung. Im Gegenteil gerät sie unter Druck. Denn „ein elementarer Faktor der Sorgearbeit ist Zeit“, stellte unlängst Tina Goethe von Brot für alle fest. Unbezahlte Arbeit, besonders Care-Arbeiten basierten auf der Zeit, die miteinander verbracht wird: „Ob sich eine Person gut betreut fühlt, hängt wesentlich davon ab, ob eine vertrauensvolle Beziehung besteht oder nicht.“ Schlussendlich gehe es um eine gesellschaftliche Neuverteilung der Sorgearbeit „zwischen staatlich finanzierten Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Kirchen, Nachbarschaftsvereinen und Haushalten, zwischen Frauen und Männern, zwischen Jung und Alt“. Dafür brauche es gute öffentliche Care-Dienste wie auch Freiräume, die es ermöglichen, sich um andere kümmern zu können: „Und vor allem muss das Verhältnis von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Care-Arbeit grundsätzlich überdacht und neu bewertet werden. Denn nur mit zusätzlichen zeitlichen Ressourcen wird es möglich, neue Konzepte der Solidarität zu etablieren.“

Care-Arbeit muss in die Wirtschafts- und Sozialpolitik integriert werden, forderte erst kürzlich die Delegiertenversammlung der Evangelischen Frauen Schweiz in einer Resolution. Und: Unbezahlte Arbeit muss sozial abgesichert werden. Und nicht zuletzt fordern die Frauen eine gerechte Verteilung der Arbeit zwischen den Geschlechtern.

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Ohne Care geht gar nichts
Die grösstenteils von Frauen geleistete und meist unbezahlte Sorgearbeit gerät immer mehr unter Druck. Nur eine Aufwertung und Neuverteilung innerhalb der Gesellschaft kann hier Abhilfe schaffen.

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