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Wenn Nachbarn Nachbarn helfen

Eine Studie der Uni Zürich möchte herausfinden, inwieweit die Nachbarschaft älteren Menschen als Ressource dienen kann, ihren Alltag zu bewältigen. Aus den Daten sollen später Empfehlungen für eine nachhaltige Nachbarschaftshilfe entwickelt werden. Diakonische Angebote leisten hierbei schon jetzt einen wertvollen Beitrag.

Wer in Schweizer Städte blickt, sieht dicht bebauten Wohnraum. Zwar strahlen ufernahe Villenreihen gern in Werbeprospekten, der Normalfall jedoch heisst Mehrfamilienhaus. Und damit Nachbarn.

Eine aktuelle Studie der Universität Zürich zeigt nun, dass Nachbarschaftskontakte einen positiven Einfluss auf die Zufriedenheit mit der Wohnsituation haben. Die Wissenschaftler rund um den Soziologen Alexander Seifert interessiert hier besonders die Situation älterer Menschen.

Ein Ziel der Studie sind Empfehlungen für eine nachhaltige Nachbarschaftshilfe.

Die Untersuchung des Zentrums Gerontologie erforscht, inwiefern Menschen ab 60 Kontakt zu ihren Nachbarn haben und wie intensiv Nachbarschaftshilfe in der Stadt geleistet wird. So geben 48% aller Befragten an, mehrmals pro Woche mit ihren Nachbarn zu sprechen. Das subjektive Sicherheitsgefühl steige, wenn ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft bestehe, so Seifert. Knapp ein Drittel der 60- bis 69-Jährigen führt aktiv kleinere Nachbarschaftshilfen durch.

Personen über 60 Jahre wohnen durchschnittlich 30 Jahre in derselben Wohnung. Stadtquartiere funktionierten wie kleine Dörfer, so der Wissenschaftler. Ältere Menschen seien sehr quartierbezogen und würden bei einem Umzug gerne in ihrem Quartier bleiben. Soziale Kontakte sind laut Untersuchung sehr wichtig für das Empfinden von Zufriedenheit und Lebensqualität, noch wichtiger als bauliche Aspekte oder die Verkehrsanbindung.

Nachbarschaftshilfe

Da ältere Menschen anders als Berufstätige mehr Zeit in der Wohnung verbringen, fühlen sich die meisten mit ihrer Wohnung erst dann verbunden, wenn das soziale Netzwerk in der Nachbarschaft funktioniert. Gute Nachbarschaft entsteht jedoch erst nach Jahren. Besonders Alleinstehende tun sich schwer damit, auf Nachbarn zuzugehen.

Nun will das Team um Seifert herausfinden, wie sich ältere Menschen in ihrem Alltag bewegen. Einerseits geht es um die eigene Einstellung zur Nachbarschaft. Andererseits steht die Nachbarschaftlichkeit im Zentrum. Dazu zählt die Frage nach der Häufigkeit von Kontakten. Auch die äusserlichen Gegebenheiten sind von Interesse, darunter die Frage, wie oft ältere Menschen etwa Sitzbänke an öffentlichen Plätzen nutzen und auf welche Barrieren sie treffen

Ziel der Studie ist unter anderem der Versuch, Parameter für ein gelingendes Altern herauszuarbeiten. Die Forscher wollen herausfinden, welchen Einfluss die genannten Punkte auf die Lebensqualität haben und inwieweit Nachbarschaft als Ressource dienen kann, um den eigenen Lebensalltag zu bewältigen. Dabei gehe es auch um das subjektive Gefühl von Sicherheit. Gegenseitige Achtsamkeit trage wesentlich dazu bei, dass sich jemand in seinem Zuhause wohl fühlt, betont Seifert. Letztendlich gehe es um die Frage, was älteren Menschen tatsächlich helfe, den Alltag zu bewältigen.

 

Nachbarschaftshilfe

Aus den Daten sollen später Empfehlungen für eine nachhaltige Nachbarschaftshilfe entwickelt werden. Auf erste Teilergebnisse wurde bereits reagiert. So habe Pro Senectute Ergebnisse der Studie „Techniknutzung im Alter“ in ihre Kurse einfliessen lassen. Auch einzelne Finanzdienstleister und Kommunikationsanbieter hätten hierauf mit Angebotsanpassungen reagiert. Auch für Wohnbauprojekte sind die Studienergebnisse von Interesse. Nicht zuletzt dürften die gewonnenen Erkenntnisse auch für die Sozialdiakonie in den Gemeinden interessant sein, geht es doch hier wie da darum, das Erleben von Gemeinschaft positiv zu gestalten. Die vielen Seniorentreffs und Nachbarschaftsangebote der Kirchgemeinden tragen laut Seifert dazu bei, dass sich Nachbarschaften entwickeln und Bestand haben.

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