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Mehr als 250 Meldungen von Willkür bei IV-Gutachten gemeldet

Okt 5, 2020 | Archiv, Behinderung

Die eigens eingerichtete Meldestelle zu IV-Gutachten hat Simulationsvorwürfe, 20-Minuten-Gespräche oder gar Beleidigungen aufgedeckt, so der Dachverband der Behindertenorganisationen Inclusion Handicap.

Über 250 Meldungen von Versicherten über Missstände seien in den ersten sieben Monaten des Bestehens der Meldestelle eingegangen, so der Verband in einer Medienmitteilung. In vielen Fällen könne nicht von einer fairen Abklärung gesprochen werden.

Verschiedene Medienberichte und die Erfahrungen aus der Rechtsberatung von Inclusion Handicap hätten aufgezeigt, dass einige Gutachter die Arbeitsfähigkeit systematisch zu hoch einschätzten und dafür von den IV-Stellen immer wieder mit lukrativen Aufträgen belohnt würden, heisst es.

So seien 53 Meldungen eingegangen, wonach die Gutachter die Versicherten zu 100 Prozent arbeitsfähig eingeschätzt hätten, die behandelnden Ärzte aber eine Arbeitsfähigkeit von 0 Prozent attestiert hätten. Diese Fälle zeigten die klare Tendenz der harten Gangart in den Gutachten auf.

10 Versicherte hätten gemeldet, dass das Abklärunsgespräch nicht mehr als 20 Minuten gedauert hätte. Es komme also vor, dass ein solch kurzes Gespräch dafür ausschlaggebend sei, ob jemand eine IV-Rente bekomme oder nicht, unabhängig davon, zu welchem Schluss der behandelnde Arzt gekommen sei.

Mehr als die Hälfte der Begutachteten gab laut Mitteilung an, dass die Gutachtergespräche in schlechtem Klima stattfanden. Teilweise sei es gar zu Beleidigungen gekommen. Mehrmals meldeten die Versicherten demnach, dass ihnen die Gutachter Simulationsvorwürfe unterstellen wollten.

Fehlbare Gutachter gehörten aus dem Verkehr gezogen, so Inclusion Handicap. Fälle, bei denen die Qualität der Gutachten nachweislich schlecht gewesen sei, müssten neu aufgerollt werden. Alle Gutachten müssten nach dem Zufallsprinzip vergeben werden.