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“Flüchtlingskinder nicht zu einer verlorenen Generation werden lassen”

Jun 11, 2020 | Archiv, Migration und Flucht

In ihrer gemeinsamen Botschaft zum Flüchtlingssonntag bzw. Flüchtlingsschabbat am 20./21. Juni 2020 appellieren die drei christlichen Landeskirchen zusammen mit der jüdischen Gemeinschaft die vom UNHCR empfohlenen Massnahmen dringend umzusetzen und einzuhalten, um die Schutzlücken zu schliessen, damit die Flüchtlingskinder nicht zu einer verlorenen Generation werden.

Mehr als die Hälfte der weltweiten Flüchtlinge sind Kinder. Ein grosser Teil von ihnen ist ohne Eltern oder Verwandte unterwegs oder wurde während der Flucht von ihnen getrennt, so die Religionsgemeinschaften in ihrem Aufruf. Mehr als 5,6 Millionen Syrerinnen und Syrer, darunter über 2,5 Millionen Kinder, mussten ihre Heimat verlassen und sind in Jordanien, im Libanon, Ägypten, dem Irak und der Türkei als Flüchtlinge registriert. Weitere 6,2 Millionen Syrerinnen und Syrer leben als Vertriebene im eigenen Land. Gemäss UNICEF benötigen dort 60% der Kinder humanitäre Hilfe, zwei Millionen Kinder können keine Schule besuchen und 3,3 Millionen Kinder sind der ständigen Gefahr durch Minen ausgesetzt.

Kinder sind die Zukunft der menschlichen Gemeinschaft und stehen unter besonderem Schutz, heisst es im Text. Auf der Flucht verlieren Kinder beides: ihren privilegierten Schutzstatus und ihre Aussicht auf eine Zukunft, die die ihrige ist und von ihnen geprägt sein wird. Die prekären Lebensverhältnisse machen die Flüchtlingskinder zu einer verlorenen Generation. Mit den Kindern verlieren die Länder, aus denen sie fliehen mussten, ihre eigene Zukunft. Von unserem Umgang mit den Flüchtlingskindern hängt es ab, ob ihre Herkunftsländer ihnen zukünftig wieder zur Heimat werden können, so die Religionsgemeinschaften.

Im eklatanten Gegensatz dazu stehe der Umgang mit Flüchtlingskindern. Viele Kinder, die zwischen 2017 und 2019 unbegleitet oder von ihren Angehörigen getrennt über das Mittelmeer nach Europa kamen, seien nach Libyen ausgeschafft und dort unter schrecklichen Bedingungen inhaftiert worden. In Flüchtlingslagern und in den europäischen Aufnahmezentren werde selten zwischen Kindern und Erwachsenen unterschieden. So seien Kinder der Gewalt und dem Missbrauch von Erwachsenen ebenso hilflos ausgeliefert wie den Behörden und einer Bürokratie, die auf die besondere Bedürftigkeit von Kindern nur unzureichend oder keine Rücksicht nähmen.

Die christlichen Kirchen und die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz appellieren an Politik und Recht, die Empfehlungen des UNHCR umzusetzen und einzuhalten. Im Vordergrund stehen laut Mitteilung die angemessene Unterbringung von Kindern in den Aufnahmelagern, keine Einwanderungshaft für Kinder, vollumfängliche Information der Kinder in ihrer Sprache und auf ihrem Niveau, individuelle Unterstützung von unbegleiteten und getrennten Kindern durch qualifiziertes Fachpersonal und die Ermöglichung eines konstruktiven Zugangs zur Bildung sowie die Beschleunigung der Zusammenführung mit Familienmitgliedern.