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Fast alle wollen Anrecht auf gute Betreuung im Alter

Fast alle wollen im Alter gut betreut werden. Männer gehen eher davon aus, dass dies die Partnerin übernimmt. Fast niemand möchte die Privatwirtschaft, fast alle den Staat. Wie geht das zusammen und wer soll’s bezahlen? Die Paul Schiller Stiftung stellt sich den Fragen.

Braucht es ein Anrecht auf gute Betreuung im Alter? Und wer soll diese Betreuung sicherstellen? Die Paul Schiller Stiftung hat dazu kürzlich eine Umfrage durchgeführt. Man wolle zu einer breiten Auseinandersetzung mit dem Thema beitragen und dem Handlungsbedarf auch auf politischer Ebene Nachdruck verleihen, heisst es. Dazu gehöre, Fragen aufzuwerfen und Debatten zu lancieren.

Eine grosse Mehrheit der Teilnehmenden unterstützt ein Anrecht auf Betreuung im Alter für alle. Fast alle Frauen und immerhin drei Viertel der Männer, so die Stiftung. Die Teilnehmenden seien zwar mehrheitlich der Ansicht, dass die Familie auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Betreuung spielen soll. Gefragt nach der eigenen Betreuung in Zukunft gingen aber viele davon aus, dass die auf Angebote Dritter angewiesen sein werden. Dem Staat und der Privatwirtschaft werden wichtige Rollen zugedacht.

Männer, so lautet ein weiteres Ergebnis, setzen noch eher auf ihre Partnerin oder die Kinder als Betreuungspersonen. Das möge Ausdruck eines traditionellen Rollenverständnisses der männlichen Antwortenden sein, von dem sich die weiblichen wohl verabschieden möchten, vermutet die Paul Schiller Stiftung.

Fast 600 Personen haben sich laut Stiftung an der Umfrage beteiligt. Die Erhebung sei damit nicht repräsentativ, gebe aber Meinungen und Stimmungsbilder einer Gruppe wieder, die mit dem Thema aus persönlichen oder beruflichen Gründen vertraut sei. Rund 70% der Teilnehmenden sind über 50 Jahre alt, zwei Drittel der Antworten stammen von Frauen.

Praktisch Einigkeit herrscht bei der Frage, ob es ein Anrecht auf gute Betreuung im Alter für alle brauche. 97 Prozent stimmen dieser Frage zu oder eher zu. Ohne Einschränkung möchten dies 92 Prozent der Frauen, aber nur 74 Prozent der Männer. Hier zeigen sich also geschlechtsspezifische Unterschiede.

Dass die Familie in der Betreuung älterer Menschen zentral bleiben soll, meinen 7 von 10 Personen, wobei die Männer etwas häufiger dieser Auffassung sind als die Frauen. Interessant ist jedoch, dass wesentlich weniger Befragte auch davon ausgehen, dass dies der Fall sein wird. Über 70 Prozent gehen nicht oder eher nicht davon aus, dass sie später hauptsächlich durch Familienangehörige betreut werden. Auch hier zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: 35 Prozent der Männer, aber nur 21 Prozent der Frauen sehen sich später von ihrer Partnerin oder ihrem Partner betreut.

Rund 60 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lehnen es ab, dass die Privatwirtschaft mit Angeboten für Senioren ein in der Betreuung älterer Menschen zentraler Akteur werden soll. Hier sind sich Frauen und Männer nahezu einig. Stattdessen sagen rund 90 Prozent, dass die Betreuung älterer Menschen zum Service Public werden und der Staat dabei eine wichtige Rolle einnehmen soll. Und schliesslich gehen rund 80 Prozent davon aus, dass sie später in erster Linie Betreuungsangebote Dritter in Anspruch nehmen werden, sei dies von der Privatwirtschaft oder vom Staat.

«Die Rolle der Betreuung und ihre Finanzierung werfen für die Schweiz neue Fragen auf», stellte die Paul Schiller Stiftung bereits im letzten Jahr festgestellt. Dort präsentierte sie eine Studie, die Handlungsbedarf in der Gesundheits- und Sozialpolitik feststellte. Denn mehr als 70 Prozent der informellen Unterstützung älterer Menschen entfällt auf den nichtpflegerischen Bereich: das Wohnumfeld, die Wohnung, schwere Hausarbeiten oder den Einkauf. 2013 leisteten Angehörige in der Schweiz 42 Millionen Stunden Betreuungs- und Pflegearbeit für Verwandte und Bekannte. Dies entspräche 3,36 Milliarden Franken. Im Vergleich dazu erbrachten alle Spitex-Organisationen zusammen Leistungen im Wort von 1,93 Milliarden Franken.
Betreuung habe noch keinen Stellenwert, so die Stiftung. Sie müsse jedoch in Zukunft vermehrt in den Mittelpunkt der alterspolitischen Debatten rücken. Eine gute und bezahlbare Betreuung müsse für alle älteren Menschen Wirklichkeit werden. Die Paul Schiller Stiftung selbst möchte nun Kriterien für gute Betreuung im Alter in der Praxis erarbeiten. Erste Ergebnisse sollen im Herbst 2019 vorliegen.

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