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„Diakonie nicht neu erfinden“

Nov 14, 2018 | Aktuelles, Verbandsarbeit

Unter dem Titel „Die Stadt als Diakonin“, fand am Samstag, 10. November, in Zürich eine Tagung statt zum Thema „Sozialräumliche Zusammenarbeit von Stadt, Kirche, diakonischen Werken und Gemeinschaften“. „Es war sehr ermutigend“, sagt Mitorganisator Roland Luzi, Seelsorger der Diakonie Nidelbad und Leiter der IG-Werke.

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung des Diakonieforums und beteiligten sich an Workshops wie etwa Diakonie im urbanen Raum, Stadtmission Basel und Zürich, Sozialwerk Pfarrer Sieber in der Zusammenarbeit mit dem Reformierten Stadtverband und anderen Themen. Ziel der Workshops war es, dass sich die Teilnehmenden kennen lernen und austauschen, um in Zukunft Kooperationen eingehen zu können. „Kooperationen sind insbesondere in der Stadt Zürich sehr wichtig, da es hier ab 1. Januar 2019 nur noch eine Kirchgemeinde gibt“, sagt Kirchenrat Bernhard Egg von der Reformierten Landeskirche Zürich. Durch die Reorganisation der Stadtzürcher Kirche wird nun diskutiert, wie die diakonischen Aufgaben am besten verteilt werden. Dabei geht es nicht nur um Diakoniestellen in den Teilgemeinden, sondern auch um die Rollen von etablierten Werken wie zum Beispiel das Christuszentrum, das Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung betreut oder das Solinetz mit einem grossen Netz an Freiwilligen, die unter anderem Deutschkurse für Flüchtlinge und Sans Papier geben. Als ein Beispiel für eine gelungene Kooperation wurde ein Café der Zürcher Kirche in Zürich Altstetten vorgestellt, das vom Christuszentrum betrieben wird. Das Café wurde zum Quartiertreffpunkt der Kirche und dient gleichzeitig als Arbeitsort für Menschen, die auf dem privaten Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten.

Bündeln statt verzetteln

„Die Tagung hat sichtbar gemacht, dass es sinnvolle Kooperationen gibt“, sagt Mitorganisator Roland Luzi. Seiner Ansicht nach sind Kooperationen wichtig, um die diakonische Arbeit möglichst effektiv leisten zu können. „Man schaut zu wenig über den Tellerrand hinaus“, analysiert er die gegenwärtige Situation in der Schweiz. „Bevor man ein Projekt startet, sollte man schauen, ob es ein ähnliches Projekt schon gibt und ob man zusammenarbeiten kann.“ Auch Kirchenrat Egg stellt fest, dass es sehr viele Einzelinitiativen gibt in kirchlichen Kreisen: Eine Pfarrerin kauft einen Alterssitz im Ausland und verbindet damit ein kleines Hilfswerk, eine Studentin organisiert Hilfe für ein paar Leute, die sie auf Reisen kennengelernt hat und die Kirchgemeinden unterstützen sie mit einer Kollekte. „Das ist oft nicht nachhaltig“, gibt Egg zu Denken und fordert die engagierten Leute auf, sich in Strukturen zu begeben, innerhalb derer Projekte professionell und beständig angegangen werden können. Die Kräfte sollen sich bündeln, nicht verzetteln.

Es muss nicht alles kirchlich sein

Als positiven Ansatz für die Bündelung von Kräften nennt Luzi das Projekt BROKIDS aus Zürich, das Jugendlichen an freien Nachmittagen Kurse anbietet in handwerklichen Fähigkeiten wie Velo flicken, schreinern und anderes. „Die Basler Stadtmission hat sich das Projekt im Diakonie-Marktstand in der Bullingerkirche angeschaut und prüft nun Kooperationsmöglichkeiten für die Jugendarbeit im kirchlichen Werk.“

Auf dem Spendenmarkt, der auch für kirchliche Werke immer wichtiger wird, haben es kleine Projekte schwer. Deshalb ist es in ihrem Sinn, mit grösseren Werken wie dem Sozialwerk Pfarrer Sieber zusammenzuarbeiten, die ein grosses Know-how und eigene Ressourcen für die Entwicklung von grossen Projekten einsetzen können.
Die Gespräche, die sich im Rahmen der Tagung ergeben haben, werden deshalb weitergeführt. „Wir haben erreicht, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Zusammenarbeit sinnvoll ist“, sagt Roland Luzi.

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