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Der Schweiz gelingt es nicht, die Armut zu reduzieren, mahnt die Caritas

Dez 18, 2019 | Aktuelles, Armut und Not

Trotz mehrjähriger guter Konjunktur und rekordtiefer Arbeitslosigkeit gelingt es der Schweiz nach wie vor nicht, die Armut zu reduzieren, mahnt die Caritas in ihrem aktuellen Sozialalmanach. Seit fünf Jahren nimmt die Zahl der Armutsbetroffenen zu. Das Sozialhilferisiko steigt bereits ab 46 Jahren.

Armut in der Schweiz steigt seit 2014 konstant an. Rund 675 000 Personen waren 2017 in der Schweiz von Armut betroffen, unter ihnen befinden sich über 100 000 Kinder. Das entspricht einem Anstieg innerhalb eines Jahres um fast 10 Prozent, so die Caritas in einer Medienmitteilung. Dies falle umso mehr ins Gewicht, als die Arbeitslosigkeit 2018 mit 2,6 Prozent so tief lag wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Dass nicht alle Menschen von der guten Wirtschaftslage profitieren, zeige auch die Zunahme der prekären Arbeitsverhältnisse, die eine Existenzsicherung aus eigener Kraft erschwerten. Einkommensschwache Personen müssten immer öfter mehrere Stellen besetzen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Zudem habe die Zahl der Personen, die unfreiwillig in reduzierten Pensen arbeiten, in den letzten Jahren zugenommen. 2018 hätten 360 000 Personen in der Schweiz gerne mehr gearbeitet, fanden aber keine passende Stelle in höherem Pensum. Frauen seien dreimal häufiger betroffen als Männer. Auch übers Ganze gesehen arbeiteten Frauen dreimal öfter in einem Teilzeitpensum als Männer. Die Folgen seien fatal. Gesamthaft falle die Altersrente der Frauen um 37 Prozent tiefer aus, als diejenige der Männer. Noch immer werde Care-Arbeit im System der sozialen Sicherheit ungenügend berücksichtigt. Es sei deshalb wenig erstaunlich, dass Frauen im Alter ein doppelt so hohes Armutsrisiko aufwiesen wie Männer.

Grund zur Sorge böten auch neuste Erkenntnisse des Kennzahlenberichts der Städteinitiative zur Sozialhilfe: Ab 46 Jahren nimmt demnach das Risiko, auf Sozialhilfe angewiesen zu sein, stark zu. In den vierzehn untersuchten Städten ist das Risiko für ältere Personen in den letzten Jahren am stärksten angestiegen. Durchschnittlich bezieht eine Person heute fast vier Jahre Sozialhilfe, das sind zehn Monate mehr als noch vor zehn Jahren. Nebst dem Alter ist auch die Bildung massgebend. Über die Hälfte der erwachsenen Sozialhilfebeziehenden verfügt über keinen Bildungsabschluss.

Mit dem Schwerpunktthema «Eine Sozialhilfe für die Zukunft» nimmt sich Caritas im Sozialalmanach 2020 der Frage an, wie die Sozialhilfe im System der sozialen Sicherheit besser verankert werden kann. Die Sozialhilfe müsse heute soziale Risiken abfedern, die durch keine Sozialversicherung abgedeckt seien. 

 

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