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“Corona-Regeln werden von Senioren zunehmend als eine Form von Diskriminierung empfunden”

Mai 6, 2020 | Aktuelles, Aktuelles - Corona, Alter

Die Corona-Massnahmen haben den Kollateraleffekt, dass sich die Meinung zum stereotypen älteren Menschen verschärft, so die Dachorganisation “Alter ohne Gewalt”. Unbeabsichtigt trügen sie zu Altersdiskriminierung und Infantilisierung von Senioren bei.

Massnahmen und Regeln für die über 65-Jährigen seien seit Beginn der Corona-Pandemie omnipräsent, so alter ego Westschweiz, Pro Senectute Tessin und die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter in einer gemeinsamen Medienmitteilung unter ihrer Marke “Alter ohne Gewalt”. Sie würden zunehmend von Seniorinnen und Senioren als eine Form von Diskriminierung empfunden. 

Laut einer gesamteuropäischen Umfrage zur Diskriminierung sei Altersdiskriminierung eine häufigere Form von Diskriminierung als Rassismus und Sexismus. Trotzdem sei sie gesellschaftlich viel akzeptierter. Die vorgefassten Meinungen zum stereotypen älteren Menschen seien stark verbreitet, so die Mitteilung: Ältere Menschen seien hilfsbedürftig, sie kosteten viel, sie seien egoistisch und unempfänglich gegenüber Veränderungen und sie stellten eine Belastung für die Gesellschaft dar.

Im Zusammenhang mit der Corona-Krise hätten Massnahmen zum Schutz älterer Erwachsener den Kollateraleffekt, dass sich die Meinung zum stereotypen älteren Menschen verschärfe. Betrachte man alle Personen ab 65 Jahren allein aufgrund ihres chronologischen Alters als “gefährdet”, würden bei dieser Betrachtung die individuellen Unterschiede der Alterung und die Tatsache, dass das so genannte Alter tatsächlich mehrere Generationen umfasse, nicht berücksichtigt. Unbeabsichtigt trügen sie zur Zunahme der Altersdiskriminierung und der Infantilisierung von Senioren bei.

Die Zusammenhänge zwischen der Bewegungseinschränkung, der Zunahme innerfamiliärer Spannungen und häuslicher Gewalt seien in den letzten Wochen häufig hervorgehoben worden. Während mehrheitlich Frauen und Kinder angesprochen würden, werde selten daran erinnert, dass auch die älteren Menschen stark gefährdet seien. Wie bei Jüngeren könne die Ausgangsbeschränkung vor allem bei Paaren Spannungen verschärfen. Sie verstärke die Isolation älterer Menschen und ihrer Angehörigen und verringere die Möglichkeiten des Zugangs zu Informationen, insbesondere für Senioren, die kein Internet hätten. Dass ältere Erwachsene in Präventionsbotschaften über häusliche Gewalt nicht erwähnt würden, sei eine zusätzliche Form der Diskriminierung.

 

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