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CH: Studie zu Kindeswohlgefährdung in der Schweiz „rüttelt auf“

Jun 19, 2018 | Aktuelles, Kinder und Jugendliche

Zwischen 30’000 und 50’000 Kinder pro Jahr erleben in der Schweiz physische oder psychische Gewalt, werden vernachlässigt oder sexuell missbraucht. Die Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs, so das Fazit einer Studie.

Jedes Jahr erfassen die Schweizer Kinderschutzorganisationen zwischen 30’000 und 50’000 Kinder, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Sie haben physische oder psychische Gewalt erlitten, wurden vernachlässigt oder sexuell missbraucht oder mussten Partnergewalt miterleben. Diese Zahlen legte jetzt die UBS Foundation mit der dritten Ausgabe der Optimus-Studie vor.

Die erfassten Fälle sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs, so die UBS. Zudem zeigt die Studie grosse Unterschiede in der geografischen Verteilung der Fälle, so das Netzwerk Kinderrechte Schweiz. So würden in den Regionen Zürich und Genfersee deutlich mehr Fälle erfasst als anderswo. Dies deute darauf hin, dass Kinderschutzorganisationen in diesen Regionen Kindeswohlgefährdungen aus grösserer Erfahrung eher erkennen.

Bei Mädchen werden psychische Misshandlungen häufiger erfasst, bei Jungen eher körperliche Misshandlungen. Dies decke sich jedoch nicht mit den reellen Vorkommen der Misshandlungen, wie man aus anderen Studien wisse, so das Netzwerk Kinderrechte. Weiter zeige sich, dass Kinder, die körperliche Gewalt erleiden, spät mit Kinderschutzorganisationen in Kontakt kämen. Im Schnitt seien sie über 10-jährig.

Die Studie liefere auch Antworten auf die Frage, wer die Gefährdungen meldet. So kämen Strafanzeigen häufig von betroffenen Kindern selbst oder deren Eltern. Zivilrechtliche Gefährdungsmeldungen stammten häufiger von Fachpersonen. Bedenklich sei, dass auffallend wenig Schulen Meldungen erstatteten, obwohl diese in engem Kontakt zu Kindern stünden.

Die Optimus-Studie leiste eine wertvolle Datengrundlage für die Verbesserung des Kindesschutzes in der Schweiz, so das Netzwerk Kinderrechte. Sie verdeutliche aber auch dringenden Handlungsbedarf. Im Rahmen der UN-Kinderrechtskonvention steht die Schweiz in der Pflicht, alles zu tun, um Kinder zu schützen.

Mittels Zufallsverfahrens haben die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit und das Observatoire de la maltraitance envers les enfants der Universität Lausanne 432 von insgesamt 643 Organisationen aus dem zivilrechtlichen Kindesschutz (KESB), dem Sozial- und Gesundheitswesen sowie aus dem strafrechtlichen Bereich ausgewählt und zur Teilnahme an der Studie eingeladen. 81 Prozent von ihnen hätten ihre Daten zur Verfügung gestellt, so ie UBS. Die aussergewöhnlich hohe Beteiligung belege, dass auch die Fachpersonen aus der Praxis von der Relevanz dieser Studie überzeugt seien. Ausserdem zeige sie, dass eine nationale, repräsentative Datenerhebung zum Thema Kindeswohlgefährdung durchführbar sei.

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