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CH: Neue Studie zu Gewalt in Schweizer Erziehung

Aug 7, 2018 | Aktuelles, Gewaltschutz

Elterliche Gewalt ist Teil der Erziehungskultur in der Schweiz, stellt eine neue Studie der ZHAW fest: 40% der Kinder und Jugendlichen erleben hierzulande Züchtigungen, 20% schwere Gewalt. Die Forscher halten ein gesetzliches Gewaltverbot für angebracht.

Fast zwei Drittel der in einer Studie befragten Jugendlichen haben Gewalt in der Erziehung erlebt – unabhängig vom sozialen Status und von der Herkunft. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW und die Haute école de travail social Fribourg HETS haben dafür über 8’000 Jugendliche zwischen 17 und 18 Jahren aus zehn Kantonen befragt.

41,4% erlebten Züchtigungen wie Ohrfeigen, hartes Anpacken oder Stossen, schreibt die ZHAW. 21,9% erlebten schwere Gewalt durch die Faust oder einen Gegenstand. Elterliche Gewalt sei „Teil der Erziehungskultur der Schweiz“. Der Anteil an Jugendlichen mit Gewalterfahrung liege zum Beispiel in Deutschland um ein Drittel niedriger, was möglicherweise ein Resultat der dortigen Einführung des elterlichen Züchtigungsverbots im Jahr 2000 sei.

Eine ökonomisch problematische Lage gehe mit negativeren Erfahrungen einher, so die Studie. So berichteten Jugendliche dann doppelt so häufig von schwerer elterlicher Gewalt, wenn diese Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe bezögen. Weiter läge der Anteil schwerer Gewalt bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund mit über 30% dreimal so hoch wie bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Allerdings läge der Anteil Jugendlicher in Schweizer Familien, die Züchtigungen erlebten, mit über 46% höher als bei Migranten mit 37%. Elterliche Gewaltanwendung sei damit „nicht nur ein Problem in Migrantenfamilien“.

Ein gesetzlicher Rahmen, der jegliche körperliche Gewalt von Eltern gegen Kinder und Jugendliche verbietet, „wäre als Basis für Präventionsmassnahmen eine wichtige Voraussetzung“, subsummiert die Studie.

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