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CH: Mehr Fälle von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus gegen Schwarze

Apr 10, 2018 | Aktuelles, Menschenrechte und Antidiskriminierung

2017 wurden so viele Beratungsfälle zu rassistischer Diskriminierung in der Schweiz registriert wie noch nie zuvor. Ein bedeutender Teil der gemeldeten Fälle finden am Arbeitsplatz und im Bildungsbereich statt, zeigt der Bericht des Beratungsnetzes für Rassismusopfer.

Im Berichtsjahr 2017 wurden 301 Beratungsfälle in den 27 Beratungsstellen registriert, so viele wie noch nie. Dieses Ergebnis zeigt die jüngst vorgelegte zehnte Auswertung von Beratungsfällen zu rassistischer Diskriminierung in der Schweiz. Im Jahr zuvor lag die Zahl bei 199 Fällen und 26 Beratungsstellen. Der Bericht wurde vom Verein humanrights.ch gemeinsam mit der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR vorgelegt.

Die am häufigsten vorkommenden Formen von Diskriminierungen waren Benachteiligungen, Beschimpfungen und herabwürdigende Behandlungen. So wendete sich beispielsweise die Mutter eines Zehnjährigen an die Beratungsstelle, da ihr Sohn von den Mitschülern als „Negerlein“ beschimpft wurde. Zudem hätten ihn die Mitschüler gefragt, warum er so stinke und ob er Ebola habe. Eine muslimische Frau berichtete,  dass sie im Supermarkt an der Kasse ihr Geld im Portemonnaie gesucht habe, woraufhin ein Mann hinter ihr ungeduldig geworden sei und für alle gut hörbar gesagt habe: „Typisch, diese Kopftücher, nicht einmal Geld zählen können die!“

Der Arbeitsplatz mit 43 und der Bereich Bildung, Schule, Kita mit 42 Fällen sind laut Bericht die am stärksten betroffenen Lebensbereiche. Darin verzeichneten die obligatorischen Schulen mit 31 Fällen „auffällig viele Nennungen“. Im Vergleich zu 2016 nahmen Diskriminierungen im Bildungsbereich, der nachbarschaft sowie bei öffentlichen Angeboten von Privaten um jeweils 3 Prozent zu. Der Bereich Kirche / religiöse Organisationen blieb mit 2 Fällen unverändert. Im Gesamtbereich der Öffentlichkeit stellt der öffentliche Raum mit 38 Fällen (-4%) den am stärksten betroffenen Bereich dar. Das Internet inklusive der sozialen Medien blieb mit 15 gemeldeten Fällen unverändert.

Rassismus gegen Schwarze ist mit 95 Nennungen nach dem generellen Motiv der Ausländerfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit weiterhin das am häufigsten genannte Diskriminierungsmotiv, so der Bericht. An dritter Stelle folgt die Islamfeindlichkeit, die mit 54 Fällen um 2 Prozent gegenüber 2016 zugenommen hat. Eine Zunahme um 3 Prozent verzeichnete die Feindlichkeit gegen Menschen aus dem arabischen Raum.

Bei 192 der 301 Fälle suchten die Betroffenen selber um Rat. Je 37 Angehörige und Zeugen nahmen in anderen Fällen Kontakt auf, 22 Fachpersonen oder andere Beratungsstellen, aber auch zwei Beschuldigte und ein Angehöriger einer beschuldigten Person.

Der Anstieg an Beratungsfällen bedeute jedoch „nicht zwingend, dass der Rassismus in der Gesellschaft im selben Masse zugenommen hat“, heisst es im Bericht. Mögliche Gründe für den Anstieg könnten demnach auch eine verstärkte Sensibilisierung der Betroffenen oder ein verbesserter Zugang zu Beratungsstellen sein. Der Bericht erhebt entsprechend keinen Anspruch auf eine vollständige Erfassung aller Fälle rassistischer Diskriminierung in der Schweiz.

Das Beratungsnetz für Rassismusopfer wurde 2005 von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR und dem Verein humanrights.ch gegründet. Das Netzwerk besteht aus 27 spezialisierten Beratungsstellen aus der ganzen Schweiz, die Auskünfte, psychosoziale Bertungen und Rechtsberatungen anbieten.

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