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Wie qualifiziert sind Sozialdiakoninnen und -diakone?

Vor kurzem hat Avenir Social, der Verband der «Professionellen» der Sozialarbeit, Alarm geschlagen. Rund die Hälfte der Fachpersonen für soziale Arbeit habe keinen entsprechenden Berufsabschluss und sei deshalb zu wenig qualifiziert, schreibt der Verband. Wie sieht das in der Kirche aus?

«Im Kanton Aargau verfügen über 90 Prozent der Sozialdiakone und -diakoninnen über eine Ausbildung einer höheren Fachschule, die sie berechtigt, den Titel zu tragen», sagt Beat Maurer, Kirchenrat und Sozialdiakon der Kantonalkirche Aargau sowie Ausschuss-Mitglied der Diakonie Schweiz. Das bedeutet, dass sie über eine doppelte Qualifikation verfügen: Über eine sozialfachliche sowie eine theologische. Obwohl die Kirchgemeinden frei sind in der Wahl ihres Personals, käme es kaum vor, dass die Mitarbeitenden von der Ausbildung her nicht qualifiziert seien. Er persönlich weiss einzig von zwei bis drei Personen. Doch auch diese leisteten gute Arbeit, sagt Maurer.

Welche Qualifikation haben Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone?

Beat Maurer, Kirchenrat und Sozialdiakon der Kantonalkirche Aargau
sowie Ausschuss-Mitglied der Diakonie Schweiz

Doppelter Standard als Garant der Qualifikation

Den sogenannten «Doppelten Standard» verlangen die meisten Deutschschweizer Kirchen, die in der «Übereinkunft sozial-diakonische Dienste» zusammengeschlossen sind und über Stellenprozente für Sozialdiakone verfügen – zum Beispiel auch die Reformierte Kirche von Bern-Jura-Solothurn. Rund zwei Drittel aller in der Sozialdiakonie Beschäftigten erfüllten diesen, sagt Matthias Hunziker.

Der Fachmitarbeiter Sozialdiakonie mit Schwerpunktgebiet Amt und sozialdiakonischer Dienst betont, dass auch das letzte Drittel mehrheitlich qualifiziert sei. «Die meisten von ihnen sind über 50 Jahre alt. Als sie die Ausbildung machten, sah das Bildungssystem anders aus», begründet er deren andere Qualifikation.

Matthias Hunziker und Beat Maurer betonen, wie wichtig die doppelte Qualifikation ist, um die Kirchgemeindemitglieder nicht nur in sozialen Aspekten, sondern auch theologisch begleiten zu können.

Kaum Fluktuation

Avenir Social schreibt, mangelnde Qualifikation führe zu höherer Fluktuation, Burnout, weniger Effizienz. Auch diesbezüglich geben die Experten der Kirchen Entwarnung. Die Fluktuation sei ausgesprochen niedrig, sagen beide. Da die Arbeit eines Sozialdiakons bei der Kirche vielfältiger und abwechslungsreicher sei als die einer Sozialarbeiterin in einer privaten Institution wie etwa eines Behindertenheims, hätten die Kirchgemeinden auch keine Probleme bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal. «Bei der Kirche hat man mehr Zeit für die Menschen. Das motiviert das Personal», sagt Matthias Hunziker der Kantonalkirche Bern-Jura-Solothurn.

Fachkräftemangel

Dennoch ist es nicht einfach, qualifiziertes Personal zu finden. Simon Hofstetter, Geschäftsleiter der Diakonie Schweiz, stellt fest: «Gerade mittelgrosse und kleinere Kantonalkirchen berichten vermehrt davon, dass sie nicht immer genügend sozialdiakonisches Personal mit der geforderten doppelten Qualifikation finden und daher auf Mitarbeitende mit anderen Ausbildungen ausweichen müssen.» Hoffnung setzen sie deshalb auf die neue, vom Bund anerkannte Ausbildung der Gemeindeanimation sowie auf die berufsbegleitende Ausbildung, in der die Kirchgemeinden als Ausbildner fungieren.

Welche Qualifikation haben Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone?

Simon Hofstetter, Geschäftsleiter der Diakonie Schweiz

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